Präanalytik
Unter diesem Begriff werden alle Prozesse zusammengefasst, die vor der eigentlichen Analyse ablaufen, im Einzelnen:
- Patientenvorbereitung
- Gewinnung des Untersuchungsmaterials
- Aufbereitung, Aufbewahrung und Versand des Untersuchungsmaterials.
Die präanalytische Phase hat einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Richtigkeit des Untersuchungsergebnisses. Fehler im präanalytischen Prozess können zu Abweichungen führen, ohne dass dies von Seiten des Labors erkennbar sind. In besonderen Fällen kann auf Anfrage die Messunsicherheit zu einzelnen Verfahren mitgeteilt werden.
1. Patientenvorbereitung
Die meisten Referenzbereiche wurden im morgendlichen Untersuchungsmaterial ermittelt. Daher wird generell eine Abnahme des Untersuchungsmaterials in der Zeit zwischen 7.00 Uhr und 9.00 Uhr empfohlen.
Die letzte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sollte am Vorabend zwischen 18.00 und 19.00 Uhr erfolgt sein.
Die Entnahme muss im medikamentenfreien Intervall durchgeführt werden, also vor der Morgenmedikation.
Um den Einfluss körperlicher Belastung zu vereinheitlichen, sollten alle Patienten mindestens 10 Minuten vor der Blutabnahme in Ruhestellung verbleiben.
Bei bestimmten Untersuchungen sind hinausgehende Maßnahmen erforderlich; siehe bitte Analysenverzeichnis.
2. Gewinnung, Aufbereitung, Aufbewahrung und Versand des Untersuchungsmaterials
2.1 Gewinnung allgemein
Es ist empfehlenswert das Untersuchungsmaterial vor der Gewinnung zu beschriften. Die Probenkennzeichnung dient der eindeutigen Zuordnung einer Patientenblutprobe zum Laborauftrag. Bei Nutzung von Barcode-Etiketten ist zu beachten, dass sowohl auf das Probenröhrchen als auch auf den Untersuchungsauftrag jeweils ein Klebeetikett mit der gleichen Nummer aufgebracht wird. Alternativ muss das Probengefäß mit Vor- und Zuname sowie Geburtsdatum beschriftet werden. Zur Blutgruppenbestimmung (separates Röhrchen ohne Trenngel) wird neben einem Barcode die Angabe von Name, Vorname und Geburtsdatum des Patienten gefordert (Hämotherapie-Richtlinie). Der anfordernde Arzt ist für die Identität der Blutprobe verantwortlich.
Bei Stimulations- und Suppressionstests oder Tagesprofilen sind Angaben zur Probenidentifikation (Uhrzeit, Reihenfolge der Entnahme) notwendig. Ebenso ist darauf zu achten, dass für bestimmte Untersuchungen ein separates Probengefäß erforderlich ist (z.B. Blutgruppenbestimmung, Viruslastbestimmung). Bei Entnahme von anderen Körperflüssigkeiten, z.B. Punktaten, sowie mikrobiologischen Abstrichen, bitte immer Angabe des Entnahmeortes.
2.1.1 Gewinnung von Blutproben
Venenblutentnahme unter Standardbedingungen
- Die Blutentnahme sollte zwischen 7 und 9 Uhr nach einer Nüchternperiode von 12 Stunden bei Raumtemperatur erfolgen.
- Nach einer Ruhezeit (sitzend oder liegend) von mindestens 10 Minuten kann dem Patienten Blut aus einer gut gefüllten Vene nach vorheriger Desinfektion entnommen werden.
- Es sollte keine Entnahme aus liegenden venösen oder arteriellen Zugängen erfolgen. Falls dies nicht möglich ist, sollte mindestens das 10fache des Totvolumens des Katheters vorab entnommen und verworfen werden.
- Die Staubinde wird handbreit oberhalb der vorgesehenen Einstichstelle angelegt (bei Entnahme am Arm).
- Zum Einstechen der Kanüle max. 1 Minute stauen, der Einstich muss streng intravenös erfolgen. Die Haut wird gegen die Stichrichtung gespannt und die Schliffseite der Kanüle nach oben gerichtet.
- Die Stauung kann gelöst werden, sobald Blut in die Röhrchen läuft.
- Die Punktionsstelle nach Entfernen der Kanüle ausreichend lange (ca. 5 Minuten) mit einem Tupfer unter ausreichendem Druck verschließen.
Die Reihenfolge der Blutentnahme sollte wie folgt sein:
1. Blutkulturen
2. Nativblut (Serum, Vollblut)
3. Citratblut (Gerinnung)
4. EDTA- / Heparinblut
5. Fluoridblut (NaF-Blut)
Sinn der Reihenfolge ist, einen störenden Einfluß durch das vorhergehende Röhrchen zu vermeiden.
3. Entnahmesysteme und Probenhandling
3.1 Entnahmesysteme – Farbkodierung:
| Probenmaterial | Vacutainer® | Sarstedt Monovette® |
| Vollblut | rot (braun) | weiß |
| Serum mit Trennhilfe/Gelmonovette | goldgelb | braun |
| EDTA-Blut | violett | rot |
| Citrat-Blut [1+9, Gerinnung] | hellblau | grün |
| Heparin-Blut Na-/NH4 | grün | blau |
| Lithium-Heparin-Blut | orange | orange |
| Fluorid [NaF] | grau | gelb |
| Urinmonovette | – | gelb |
3.2 Umgang mit Probenmaterial
Serum
Blut entnehmen, mindestens 20 Min. (höchstens 1 Std.) in senkrechter Stellung gerinnen lassen, wenn möglich und erforderlich, zentrifugieren (ca.10 min. bei 2500 x g = ca. 3000 U/min.), Überstand (Serum) abheben und in unsere Probenröhrchen überführen.
Die Zenrifugation von Serum-Gel-Monovetten führt zu einer dauerhaften Trennung von Blutkuchen und Serum, hier ist ein Abpipettieren vor Versand nicht erforderlich.
Vollblut
Zur Bestimmung von Blutgruppen wird auch der Blutkuchen benötigt.
Bitte SARSTEDT-Monovette mit durchsichtiger bzw. weißer Kappe oder BD-Vacutainer ohne Trenngel (roter Stopfen) benutzen. Mindestens 20 Minuten durchgerinnen lassen. Das Röhrchen bitte dabei aufrecht stellen.
Plasma (EDTA-Plasma/Heparinplasma)
Blutentnahme in entsprechenden Röhrchen (EDTA/Heparin) abnehmen, durchmischen, sofort zentrifugieren (ca. 10 min. bei 2500 x g = ca. 3000 U/min.), Überstand (Plasma) abheben, in unsere Probenröhrchen (ohne Zusatz) überführen, verschließen und entsprechend der Vorschrift des jeweiligen Testparameters lagern und als Heparin- bzw. EDTA-Plasma kennzeichnen.
EDTA-Blut/Punktat
Für Blutbilder sowie molekulargenetische Untersuchungen benötigen wir EDTA-Vollblut. Für Zelldifferenzierungen aus Punktaten, Punktat bitte in EDTA – Röhrchen überführen.
Citratblut
Für Gerinnungsananlysen möglichst frisch. Bei Raumtemperatur lagern und spätestens 4 – 6 Stunden nach Blutentnahme durch unseren Fahrdienst abholen lassen oder als Citratplasma (siehe unten) einsenden.
Citratplasma
Für Gerinnungsanalysen möglichst unmittelbar, spätestens aber 1 Stunde nach Entnahme, das Citratblut (10 min. bei 2500 x g = ca. 3000 U/min.) zentrifugieren. Das überstehende Plasma wird in ein Kunststoffröhrchen überführt und verschlossen bei -18° C bis – 20° aufbewahrt. Bitte als Citrat-Plasma kennzeichnen.
Na-Fluorid-Blut (NaF-Blut)
Zur Bestimmung der Blutglucose empfehlen wir die Verwendung von Na-Fluorid-Röhrchen, um falsch-niedrige Werte zu vermeiden. Diesen ist neben einem Antikoagulanz auch ein Glykolysehemmer zugesetzt. So wird der In-vitro-Abbau von Glukose, der in Serum ca. 90% in 24 Stunden beträgt, sowie von Laktat vermieden. Alternativ kann frisch gewonnenes Serum verwendet werden. Muss das Unter-suchungsmaterial länger als 24h gelagert werden, ist eine sofortige Zentrifugation (siehe bitte EDTA-Plasma) und das Einsenden von NaF-Plasma erforderlich. Bitte als NaF-Plasma kennzeichnen.
Malondialdehyd (MDA)
Spezielles MDA-Röhrchen anfordern oder frisch entnommenes EDTA-Blut einsenden.
24 Std. Sammelurin
Behälter für die Urinsammlung können über das Labor bestellt werden.
Eine Vielzahl von Untersuchungen im Urin beziehen das Ergebnis auf die Tagesausscheidung, so dass die Angabe der Sammelmenge unbedingt erforderlich ist. Der Patient sollte genau informiert sein, um Fehler beim Sammeln zu vermeiden.
Die Sammelperiode beginnt um 7 Uhr morgens. Nachdem der erste Morgenurin verworfen wurde, erfolgt die komplette Sammlung aller Urinportionen bis zum nächsten Morgen um 7 Uhr inklusive des Morgenurins. Die Gesamturinmenge sorgfältig durchmischen, die benötigte Teilurinmenge in Urinmonovette (gelber Deckel) abfüllen und entsprechend lagern. Eine Anleitung befindet sich auch als Aufdruck an den Sammelbehältern.
Folgende Untersuchungsparameter benötigen keinen Zusatz von Säure:
- Aldosteron, Cortisol
- Albumin, Eiweiß
- Elektrolyte
- Harnsäure (Urat)
- Osmolalität
- Porphyrine (lichtgeschützt)
- Spurenelemente
Für folgende Untersuchungsparameter Urin bitte mit Säure-Zusatz:
- Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin)
- Dopamin
- Metanephrin, Normetanephrin
- Vanillinmandelsäure, Homovanillinmandelsäure
- 5-HIES
- Selen
- Thyrosin
- Serotonin
Aufbewahrung und Versand
Einige Analysen erfordern ein Tiefgefrieren des Untersuchungsmaterials. Die Parameter sind in der Analysenübersicht entsprechend vermerkt. Darauf kann verzichtet werden, wenn das Untersuchungsmaterial direkt vor Abholung des Fahrdienstes gewonnen wird.
- Serum, Vollblut bitte gekühlt bei + 4 °C bis + 8 °C aufbewahren
- EDTA-Röhrchen, NaF-Blut/Plasma bei Raumtemperatur lagern (max. 18 bis 24 h)
- Tiefgefrorenes Material (Plasma, gefrorenes Serum) muss dem Fahrdienst gesondert übergeben werden.
Anforderungsschein
Für Ihre Anforderungen stellt Ihnen unser Labor die entsprechenden Laboraufträge zur Verfügung.
Der Anforderungsschein soll folgende Angaben enthalten:
- Name, Vorname, Geburtsdatum und Geschlecht des Patienten
- Adresse des Patienten bzw. Kostenträger
- Angaben zum einsendenden Arzt / Praxisstempel
- Art des Untersuchungsmaterials
- Abnahmedatum und Entnahmezeitpunkt, Reihenfolge der Entnahme
- Verdachtsdiagnose ggf. Klinische Angaben zur Anamnese, Medikation
Spezielle Probenmaterialien
5-Hydroxyindolessigsäure (HIES)
Die 24-Stunden Harnsammlung erfolgt unter Zusatz von 10 ml Salzsäure. Zwei bis drei Tage vor und während der Harnsammlung sind serotoninhaltige Lebensmittel zu vermeiden. Dazu gehören:
Avocados, Auberginen, Bananen, Beerenfrüchte, Tomaten, Schokolade, Nüsse, Zwetschgen, Kaffee, Tee, alkoholische Getränke und Nikotin.
Zahlreiche Medikamente können das Testergebnis beeinflussen.
Falsch erhöhte Werte: Paracetamol, Reserpin, Fluorouracil, Amphetamine, Guaifenesin, Mephenesin
Falsch erniedrigte Werte: Acetylsalicylsäure, Levodopa, Phenothiazin, Isoniazid, MAO-Hemmer sowie Medikamente mit ähnlichem Wirkmechanismus.
Ammoniak
2 ml EDTA-Plasma, nach der Entnahme sofort (spätestens nach 15 min.) zentrifugieren und gekühlt oder gefroren versenden. Bitte vorher telefonisch anmelden, damit der Laborkurier eine Kühlbox bereithält.
Molekularbiologische Untersuchungen
Für molekularbiologische Untersuchungen (z.B. Faktor V-Leiden, Viruslast) müssen separate, original verschlossene Blutentnahmegefäße eingesandt werden (Vermeidung von Kontaminationen). Wir benötigen für diese Untersuchungen EDTA-Vollblut, wegen möglicher Hemmung der PCR kein Heparinblut einsenden. Die Bestimmung der Viruslast von HIV, HCV und HBV erfolgt aus EDTA-Vollblut.
Bitte pro Bestimmung ein separates EDTA-Röhrchen einsenden.
Humangenetische Untersuchungen, z.B. Laktoseintoleranz, Faktor V-Leiden, MTHFR-Mutation werden aus EDTA-Vollblut durchgeführt. Für humangenetische Unter-suchungen benötigen wir nach dem Gendiagnostikgesetz die Einwilligungserklärung des Patienten, ansonsten kann die Untersuchung nicht durchgeführt werden.
Einen Vordruck finden Sie im Leistungsverzeichnis (www.labormedizin-darmstadt.de) unter „G“ bzw. erhalten diesen durch Anforderung per Bestellkarte oder telefonisch.
Ejakulat
Bitte vorherige Rücksprache mit dem Labor
Patientenbezogene Einflussgrößen/Störfaktoren
Geschlecht
Für die aussagekräftige Interpretation zahlreicher Laborparameter ist die Kenntnis des Geschlechts des Patienten Voraussetzung. Wir bitten daher um Markierung des entsprechenden Feldes auf dem Überweisungsschein. Geschlechtsspezifische Unterschiede finden sich bei:
- Hormonen ( z. B. unterschiedliche Konzentration von Östradiol, Testosteron)
- den Referenzbereichen von Leberenzymen, Kreatinin, Eisen, Ferritin, BSG, Kreatinkinase
- Erythrozyten- und Hämoglobinkonzentration (bei Männern höher als bei Frauen)
Lebensalter
- erhöhte Hämoglobin- und Bilirubinkonzentration bei Neugeborenen
- erhöhte alkalische Phosphatase in der Wachstumsphase
- zu Beginn der Pubertät erreicht die Konzentration der meisten Messgrößen Erwachsenenwerte
Zirkadine und saisonale Schwankungen, Biorhythmik
Viele Hormone weisen tagesabhängige Konzentrationsschwankungen auf, die Abweichungen zwischen Tagesmaximum und -minimum können bis zu 200% betragen. Dies ist z.B. der Fall bei Cortisol, das Maximum liegt in den frühen Morgenstunden, das Minimum um Mitternacht. Daher empfiehlt sich bei diesem Parameter die Bestimmung im Sammelurin oder als Tagesprofil, ein einzelner Wert hat begrenzte Aussagekraft.
Weitere Parameter mit ausgeprägter Tagesrhythmik (Maximum in Klammern):
- ACTH (morgens)
- Katecholamine (morgens)
Ein Beispiel für saisonale Schwankungen ist Vitamin D mit Maximalwerten im Sommer (UV-abhängig).
Zahlreiche Hormone zur Fertilitätsdiagnostik, unterliegen einer Biorhythmik im Rahmen des Menstruationszyklus.
Ernährung
- Bei Nahrungskarenz verändert sich die Konzentration von Proteinen, Fetten und Harnstoff (erniedrigt), Kreatinin und Harnsäure steigen an
- Vegetarische Kost führt zur Abnahme von Kreatinin und Vitamin B12
- Eiweißreiche Diäten führen zu einem Anstieg von Proteinen, GPT und Ammoniak
- fett-und kohlenhydratreiche Kost führt zum Anstieg von Triglyceriden
Rauchen
- Chronischer Nikotinabusus führt zu einer Erhöhung von: CEA, Leukozyten, Adrenalin, Cortisol, Lipoproteinen und Spurenelementen
- Vermindert sind die Konzentrationen von ACE, Prolaktin, Vitamin C
- Nach direktem Zigarettenkonsum ist das CO-Hb und die Glukosekonzentration erhöht
Alkohol
- chronischer Alkoholabusus führt zu einer Erhöhung folgender Blutwerte: γ-GT, GPT, GOT, MCV, CDT, Adrenalin, Cortisol
- 2-3 Stunden nach Alkoholkonsum ist Laktat erhöht und Glucose vermindert
Präanalytik für die Mikrobiologie
Materialentnahme und Probentransport
Die Diagnose bakterieller Infektionen gehört zu den häufigsten Anforderungen eines mikrobiologischen Labors. Die Zahl der nachgewiesenen Erreger und die fort-schreitende Resistenzentwicklung haben in großem Maß zugenommen. Für eine sinnvolle mikrobiologische, mykologische und parasitologische Diagnostik bitten wir um folgende Angaben:
- Art des Materials, genaue Lokalisation erleichtern durch Einengung der Fragestellung die Diagnostik
- Entnahmedatum
- Konkreter Auftrag / Anforderung
- Symptombeschreibung und ggf. Antibiotika-Therapie
Mikrobiologische Infektionsdiagnostik ist häufig eine logistische Aufgabe. Wir bieten Transportmedien für das Untersuchungsmaterial an. Der eigene Abholdienst sichert den schnellen Transport in das Labor. Generell sollte die Materialabnahme vor einer Antibiotikagabe erfolgen.
Folgende Materialien stellen wir Ihnen zur Verfügung
- Abstrichtupfer (starr) mit Transportmedium
- Abstrichtupfer (flexibler Aluminiumdraht) mit Transportmedium für Naso-Pharynx-, Harnröhrenabstriche
- Sputumgefäße
- Abstrichtupfer für PCR-Untersuchungen
- Blutkulturflaschen für Blut, Liquor und spezielle Punktate
- Portagerm für Transport von Gewebematerialien
- Eintauchnährböden für Urin
- Gefäße für Nativurin, Ejakulat
- Stuhlgefäße mit Probenlöffel für bakteriologische, virologische, mykologische und parasitologische Fragestellungen
- Sporenstreifen zu Sterilisationsprüfung von Autoklaven und Kleinsterilisatoren
- Versandtüten
Gewinnung von Untersuchungsmaterial
Blutkulturen
Der günstigste Zeitpunkt zur Blutabnahme für den Nachweis von bakteriellen Infektionen ist der Fieberanstieg. Die Blutentnahme (20 ml) erfolgt durch Venenpunktion nach gründlicher Hautdesinfektion (Einwirkzeit 1-2 Minuten). Die Kanüle sollte unbedingt gewechselt werden und 10 ml in aerobe/anaerobe Flasche gegeben werden. Die Flaschen dürfen nicht belüftet werden. Evtl.1-3 mal im zeitlichen Abstand wiederholen. Unter Antibiotika-Therapie sollte die Blutentnahme unmittelbar vor der nächsten Antibiotikagabe erfolgen. Aus Kathetern kann Blut für Blutkulturen nur dann entnommen werden, wenn ein Nachweis einer Katheterinfektion gewünscht wird. Blutkulturen bei Raumtemperatur bis zum Transport in das Labor aufbewahren. Aufbewahrungszeit darf 16 Std. nicht überschreiten!
Serum
Je nach Anzahl der gewünschten Untersuchungen 5-10 ml Venenblut ohne Zusatz in steriles Serumröhrchen aufnehmen. Je serologischem Parameter (z.B. HbsAg, Toxoplasmose-AK etc.) 0,5 – 1 ml Serum. Bei längerem Versand abzentrifugiertes Serum verschicken. Bei -20 °C können Serumproben über lange Zeit aufbewahrt werden.
EDTA-Blut
Für einen mikroskopischen Malaria-Nachweis, für einen HIV oder Hepatitis-Nachweis mittels PCR ist ein separates Röhrchen EDTA-Blut einzusenden.
Liquor
Die Entnahme bitte unter streng aseptischen Bedingungen organisieren. Der Transport sollte entweder in sterilem Röhrchen oder bei längerer Transportdauer auch in Blutkulturflaschen erfolgen. Liquor nativ und Liquor in Blutkulturflaschen bei Raumtemperatur bis zum Transport in das Labor aufbewahren.
Punktate
Nach sorgfältiger Hautdesinfektion Punktion des Eiterherdes und Aspiration in sterile Spritze. Zum Transport Aspirat entweder in der Spritze belassen und den Konus verschließen oder in sterile Transportröhrchen oder ggf. in Blutkulturflasche überführen. Punktate nativ und Punktate in Blutkulturflaschen bei Raumtemperatur bis zum Transport in das Labor aufbewahren.
Für eine Zelldifferenzierungen bitte einen Teil in ein EDTA-Röhrchen überführen.
Biopsien
Steril gewonnene Gewebeproben in Portagerm-Tubes oder in sterilen Röhrchen mit 0,9%igem NaCl versenden. Für die Kultur von Helicobacter bitte spezielles HP-Portagerm-Gefäß verwenden.
Lagerung: 4 °C.
Wundabstrich
Wundsekret aus dem Bereich der stärksten Sekretion entnehmen. Falls wenig Sekret, evtl. Gewebeexzision vom Wundrand.
Lagerung: max. 12 h bei Raumtemperatur.
Abstriche
Bei trockenen Oberflächen Tupfer mit NaCl- oder Nährlösung befeuchten. Tupfer in Transportmedium versenden.
Lagerung: max. 12 h bei Raumtemperatur
Sputum
Am besten „Morgensputum“ gewinnen, d.h. Material, das sich über Nacht in den tiefen Atemwegen angesammelt hat. Wichtig ist die Patientenanleitung: morgens, nach gründlicher Mundspülung mit Wasser, Sputum aus der Tiefe abhusten. Expektoration evtl. durch Inhalation hypertoner Salzlösungen induzieren.
Lagerung: max. 4 h bei Raumtemperatur oder 12 h bei 4°C
Trachealsekret
In steriles Röhrchen absaugen. Bei zähem Trachealsekret mit 5-10 ml physiol. NaCl-Lösung spülen. CAVE: Kontamination mit Lokalanästhetika vermeiden, sie wirken bakterizid!
Lagerung: max. 4 h bei Raumtemperatur oder 12 h bei 4°C
Bronchoskopie
Flexibles Bronchoskop möglichst mit Doppelteleskop-Bürstenkatheter verwenden (vermindert Risiko der Kontamination).
Lagerung: max. 4 h bei Raumtemperatur oder 12 h bei 4°C
Urin
Erststrahlurin: für die Untersuchung von Chlamydien mittels DNA-Nachweis oder Trichomonaden (da hier hoher Zellanteil).
Für Kulturverfahren
Mittelstrahlurin: nach gründlicher Reinigung des Genitales erste Urinprobe verwerfen, mittlere Harnportion (5-10 ml) in sterilem Gefäß auffangen.
Katheterurin: bei Dauerkatheter (geschlossenes System) Urin-Entnahme durch Punktion des Katheters mit steriler Monovette (Einmalhandschuhe, Desinfektion der Punktionsstelle!). Den Urin bitte nicht aus dem Sammelbeutel entnehmen.
Suprapubische Blasenpunktion: nach sorgfältiger Hautdesinfektion Punktion der gefüllten Blase und Aspiration von Urin.
Lagerung: max. 12 h bei 4 °C
Bei Aufbewahrung über 12h Eintauchnährböden verwenden.
Eintauchnährboden:Mittelstrahlurin in einem sterilen Gefäß sammeln und das Eintauchmedium vollständig mit Urin benetzen. Anschließen das Tauchmedium abtropfen lassen und fest verschlossen in das Labor senden.
Stuhl
Etwa 1/3 bis Hälfte des Stuhlröhrchens mit flüssigem oder festem Stuhl füllen.
Zum Nachweis von Amöben, Lamblien ist heutzutage kein körperwarmer Stuhl nötig.
Bei folgenden Untersuchungsmaterialien, die speziellen Untersuchungen zusätzlich anfordern. Bis zum Transport ins Labor ist das Untersuchungsmaterial kühl zu lagern.
Klebestreifenabklatsch
Bei einigen Helminthen findet die Eierablage im Analring des Afters statt. Zur Diagnostik wird vor der Morgentoilette ein durchsichtiger Klebestreifen mehrfach perianal aufgeklebt. Evtl. anhaftende Eier werden mit dem Klebestreifen dann auf einen Objektträger geklebt und in das Labor geschickt.
Material für Molekularbiologie
Pertussis-, Chlamydia trachomatis-, Gonokokken- , HPV- und MRSA-PCR: trockene Tupfer benutzen.
Für die kulturelle Untersuchung auf Pertussis, Gonokokken, MRSA: Abstrichbesteck mit Medium!